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Was machen Eigentümer erfolgreicher Unternehmen bei der Besetzung ihrer Geschäftsführung anders?

Experteninterview mit Klaus Mayerhanser

Erfolgreiche Unternehmen zeichnen sich häufig durch besonders leistungsfähige Führungskräfte und Mitarbeitende aus. Doch wie gelingt es Eigentümern erfolgreicher Unternehmen, die richtigen Persönlichkeiten für Schlüsselpositionen zu gewinnen?

Das Wichtigste in Kürze

Warum treffen manche Unternehmer bei der Besetzung ihrer Geschäftsführung immer wieder die richtigen Entscheidungen – während andere trotz beeindruckender Lebensläufe Fehlbesetzungen erleben? Die Antwort liegt häufig nicht im Kandidatenmarkt, sondern im Auswahlprozess.

Die fünf wichtigsten Erkenntnisse für Eigentümer

  • Besetzen Sie die Zukunft – nicht die Vergangenheit.
  • Persönlichkeit und Führungswirkung sind langfristig wichtiger als der perfekte Lebenslauf.
  • Die Qualität einer Geschäftsführungsbesetzung beginnt lange vor dem ersten Interview.
  • Die besten Kandidaten suchen selten aktiv nach einer neuen Position.
  • Der Erfolg einer Executive Search hängt nicht von der Größe der Shortlist, sondern von der Qualität der Auswahl ab.

Im Interview erläutert Klaus Mayerhanser, Vorstand der DELTACON Executive Search AG, welche Fehler Eigentümer im Auswahlprozess häufig machen, woran sie echte Führungspersönlichkeiten erkennen und wie sich das Risiko einer Fehlbesetzung nachhaltig reduzieren lässt.

Herr Mayerhanser, Sie begleiten seit vielen Jahren Unternehmer vor allem im Mittelstand bei der Besetzung von Geschäftsführungs-Positionen. Was unterscheidet erfolgreiche Unternehmen bereits zu Beginn eines Besetzungsprozesses von weniger Erfolgreichen?

Klaus Mayerhanser: Viele Unternehmer suchen zunächst nach dem „perfekten Lebenslauf“ und nach fachlicher Expertise. Diese ist unzweifelhaft wichtig, aber nicht ausreichend. Der Lebenslauf und der Track Record sagen viel über die Vergangenheit des Kandidaten aus, was er erreicht hat, aber nichts über zukünftige Führungswirkung. Persönlichkeit, Leadership, Veränderungsfähigkeit, Passung zur Unternehmenskultur oder zur Phase, in der sich das Unternehmen gerade befindet, müssen dringend beleuchtet werden.

Welche drei Fehler beobachten Sie bei der Besetzung einer Geschäftsführung am häufigsten?

Klaus Mayerhanser: Eigentümer verlieben sich zu früh in einzelne Kandidaten. Ich beobachte häufig, dass nach einem sehr guten ersten Gespräch bereits eine emotionale Entscheidung getroffen wird. Anschließend dient der restliche Auswahlprozess eher dazu, diese Entscheidung zu bestätigen als kritisch zu hinterfragen. Ein weiterer kritischer Faktor für den Erfolg ist eine gute Vorbereitung. Wie viel Zeit nimmt man sich für die Evaluation des perfekten Profils, die kritischen Erfolgsfaktoren, die Erwartungen an Leadership oder die kulturelle Passung. Wer hier zu wenig Zeit investiert, bekommt keine gute Besetzung. Ein weiteres Thema ist die Qualität des Interviewprozesses. Ich empfehle auf Geschäftsführungslevel mindestens vier Runden, davon zwei im persönlichen Gespräch. In den Interviews sollten neben Hiring Manager und HR unbedingt Peers aus anderen Bereichen teilnehmen, dies ist wertvoll für beide Seiten. Und auch ein Gespräch im privaten Rahmen, beispielsweise bei einem Abendessen, hilft dabei, die kulturelle Passung zum Unternehmen zu verstehen.

Und wenn ich noch einen „Bonusfehler“ ergänzen darf: Die Bedeutung der Persönlichkeit wird häufig unterschätzt. Die besten Eigentümer fragen deutlich früher: Wie trifft die Person Entscheidungen, wie führt sie Menschen, wie reagiert sie unter Druck oder wird sie die Gesellschafter mitnehmen? Die Qualität einer Geschäftsführungsbesetzung entscheidet sich lange vor dem ersten Interview – nämlich bei der Klarheit über die Anforderungen.

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Woran erkennen Sie bereits im Auswahlprozess, dass ein Kandidat ein Unternehmen wirklich weiterentwickeln kann – und nicht nur seine bisherige Position erfolgreich ausgefüllt hat?

Klaus Mayerhanser: Ich glaube, dass viele Unternehmen im Auswahlprozess die falsche Frage stellen. Sie fragen: „War dieser Kandidat erfolgreich?“ Viel wichtiger ist jedoch: „Warum war er erfolgreich – und kann er diesen Erfolg unter anderen Rahmenbedingungen wiederholen?“ Wir fragen im Interview nicht, was der Kandidat gemacht hat, sondern sehr intensiv, wie er es gemacht hat. Welche Herausforderungen oder Krisen mussten von ihm bewältigt werden? Wie hat er die Mitarbeiter mitgenommen? Wie hat er Veränderungen eingeleitet oder Organisationen erfolgreich umgebaut?
Um diese Fähigkeiten zu beleuchten, arbeiten wir als Personalberatung selbstverständlich mit mehrstufigen Interviews, kompetenzbasierten Interviews und Einsatz von Diagnostik.

Viele Unternehmen achten stark auf Erfahrung und Fachkompetenz. Welche Rolle spielen aus Ihrer Sicht Persönlichkeit, Werte und Cultural Fit bei einer erfolgreichen Besetzung?

Klaus Mayerhanser: Persönlichkeit, Werte und Cultural Fit sind aus meiner Sicht keine „weichen Faktoren“. Denn sie entscheiden häufig darüber, ob ein Geschäftsführer seine fachliche Kompetenz überhaupt wirksam entfalten kann. Gerade bei Geschäftsführer-Positionen geht es nie allein um die Frage „Kann der Kandidat die Aufgabe fachlich erfüllen?“ Es geht immer auch sehr stark darum, „Wird er dieses Unternehmen in genau dieser Konstellation erfolgreich führen können?„.

Ein Geschäftsführer trifft täglich Entscheidungen unter Unsicherheit, muss seine Mitarbeiter überzeugen, Konflikte lösen und Veränderungen aktiv gestalten. Wie ihm das gelingt, hängt nur zum Teil von seiner fachlichen Expertise ab. Mindestens genauso wichtig ist, wie er kommuniziert, wie er Vertrauen aufbaut, und ob er Menschen für gemeinsame Ziele gewinnen kann.

Aus diesem Grund prüfen erfolgreiche Unternehmer sehr genau, ob Werte übereinstimmen, und die Art und Weise, wie Veränderungen gestaltet werden, zur Unternehmenskultur passt.

In meiner Erfahrung scheitern Geschäftsführer seltener an mangelnder Fachkompetenz als an fehlender Passung zur Organisation und zu den Menschen, die sie führen sollen.

Zum Erfolg gehören vier passende Leadership-Dimensionen:

  1. Zum Eigentümer bzw. Gesellschafterkreis – Erwartungen, Entscheidungsstil und Vertrauensbasis.
  2. Zur Unternehmensphase – Wachstum, Transformation, Stabilisierung oder Nachfolge.
  3. Zum Führungsteam – Ergänzung der bestehenden Kompetenzen und Zusammenarbeit auf Augenhöhe.
  4. Zur Unternehmenskultur – Werte, Kommunikationsstil und Führungsverständnis.

Welche Vorteile – aber auch welche Nachteile – sehen Sie darin, für die Besetzung einer Geschäftsführung eine Personalberatung einzuschalten?

Klaus Mayerhanser: Ich bin überzeugt, dass nicht jede Geschäftsführungsbesetzung eine Personalberatung erfordert. Wenn ein Unternehmen über ein hervorragendes Netzwerk verfügt, ausreichend Zeit investieren kann und die passenden Kandidaten direkt erreicht, kann auch eine interne Suche erfolgreich sein.

Aus meiner Sicht sprechen insbesondere vier Aspekte für die Zusammenarbeit mit einer professionellen Personalberatung:

  • Marktkenntnis
    Ein erfahrener Personalberater kennt geeignete Zielfirmen, Wettbewerber, die Marktsituation oder Gehälter.
  • Objektivität
    Eine externe Beratung bringt Distanz in den Prozess. Eigentümer treffen Personalentscheidungen naturgemäß mit einer hohen emotionalen Verantwortung. Der Personalberater stellt kritische Fragen und sorgt dafür, dass Entscheidungen auf einer möglichst objektiven Grundlage getroffen werden.
  • Zugang zu Kandidaten, die nicht aktiv suchen
    Erfolgreiche Geschäftsführer lesen selten Stellenanzeigen und bewerben sich nicht aktiv. Ein Personalberater hat ein gewachsenes Netzwerk zu Kandidaten, die nicht auf dem Markt sichtbar sind und spricht Kandidaten aktiv und professionell an, um sie für einen Wechsel zu begeistern.
  • Vorbereitung
    Kandidaten werden vom Berater sehr gut über die Stärken, Potentiale, aber auch Herausforderungen des Unternehmens informiert. Ein Personalberater kann Vorbehalte ausräumen und Chancen aufzeigen, und er brieft den Kandidaten so gut, dass das Unternehmen in den Gesprächen sehr schnell in medias res gehen kann.

Demgegenüber stehen drei Punkte, die Unternehmen berücksichtigen sollten:

  • Kosten
    Executive Search ist eine Investition. Sie verursacht höhere Kosten als andere Recruitingwege.
    Allerdings sollte man diese Kosten ins Verhältnis zu den Folgen einer Fehlbesetzung setzen.
  • Aufwand
    Eine professionelle Executive Search ist kein schneller Einkauf.
    Sie verlangt Zeit. Andererseits führt die Analyse durch den Berater sehr oft dazu, dass ein Anforderungsprofil nachgeschärft wird.
  • Off-limits-Vereinbarungen
    Große Personalberatungen bieten Don’t touch Garantien an, was bedeutet, dass das Zielfirmen-Universum hin und wieder verengt ist.

In Summe entscheidet die Qualität der Personalberatung.
Nicht jede Personalberatung arbeitet gleich. Entscheidend ist, wie tief das Unternehmen verstanden wird, wie sorgfältig der Markt analysiert wird, wie kritisch Kandidaten hinterfragt werden und wie professionell der gesamte Auswahlprozess begleitet wird.

„Die beste Personalberatung erkennt man nicht daran, dass sie möglichst viele Kandidaten präsentiert. Sondern daran, dass sie den Mut hat, ungeeignete Kandidaten konsequent auszusortieren – auch wenn dadurch die Shortlist kleiner wird.“

Was machen besonders erfolgreiche Eigentümer oder Gesellschafter während des Auswahlprozesses anders als der Durchschnitt?

Klaus Mayerhanser: Erfolgreiche Unternehmer definieren zuerst das Ziel – und erst dann das Profil

Viele Unternehmen beginnen mit der Frage: „Wen suchen wir?“. Erfolgreiche Eigentümer stellen eine andere Frage: „Was muss unser nächster Geschäftsführer in den kommenden fünf Jahren erreichen?“. Und sie hören mehr zu, als sie reden. In sehr guten Interviews sprechen Eigentümer überraschend wenig über ihr Unternehmen. Sie wollen verstehen, wie der Kandidat denkt – nicht nur, was er gemacht hat. Sie geben den Kandidaten Raum.

Die Qualität einer Geschäftsführungsbesetzung entscheidet sich zudem nicht in den Interviews mit den Kandidaten, sondern in den Gesprächen der Gesellschafter untereinander. Die erfolgreichsten Eigentümer investieren deshalb erstaunlich viel Zeit, bevor sie den ersten Kandidaten kennenlernen.

Wenn Sie einem Unternehmer nur einen einzigen Rat für die Besetzung seiner nächsten Geschäftsführung geben dürften – welcher wäre das?

Klaus Mayerhanser: Besetzen Sie nicht die Position – sondern die Zukunft Ihres Unternehmens.

Wer ausschließlich nach dem besten Lebenslauf sucht, besetzt die Vergangenheit. Wer dagegen Strategie, Persönlichkeit und Entwicklungspotenzial in den Mittelpunkt stellt, schafft die Grundlage für nachhaltigen Unternehmenserfolg.
Eine Geschäftsführungsbesetzung ist eine der wichtigsten strategischen Entscheidungen für die kommenden Jahre. Deshalb lohnt es sich, zunächst genau zu definieren, wohin sich das Unternehmen entwickeln soll – und erst danach zu überlegen, welche Führungspersönlichkeit diesen Weg erfolgreich gestalten kann.

Und nach der Besetzung investieren erfolgreiche Unternehmer noch einmal. In Onboarding, Begleitung der ersten hundert Tage, Integration in den Gesellschafterkreis. Die Besetzungen scheitern nicht in der Auswahl, sondern in den ersten neun Monaten nach dem Start.

Von Klaus Mayerhanser

Personalberater für Telekommunikation, IT & Consumer Electronics

Klaus Mayerhanser ist Gründungs-Partner und Managing Director der DELTACON Executive Search. Er verantwortet mit seinem Team die Branchen Telekommunikation, Informationstechnologie und Consumer Electronics und leitet unser Büro in München. Neben seiner Beratertätigkeit verfügt er über zehn Jahre operative Managementerfahrung in Vertriebs- und Marketingfunktionen innerhalb der ITK-Branche.